Montag, 1. Oktober 2018

Kindesmissbrauch: Ermittlungen eingestellt - mal wieder

Staatsanwaltschaft_Zwickau2_thumb2Plauen/Zwickau/Rodewisch.- Es ist die viel zitierte „Spitze eines Eisberges“ und doch schon mehr als schlimm genug. Es mehren sich die Verdachtsmomente, dass in mindestens einem Fall ein Kind von den Behörden an einen Pädophilen in Obhut gegeben wurde. Bisher bekannt gewordene Indizien scheinen die schlimmsten Befürchtungen der Mutter zu belegen. Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat die Ermittlungen indes eingestellt – mal wieder (WSZ berichtete).
Angefangen hat alles mit einem Sorgerechtsstreit. Maria G. (Name von der Redaktion geändert) zog im April 2017 aufgrund häuslicher Gewalt gegen sie und ihren heute dreijährigen Jungen aus der bis dahin gemeinsam mit dem Kindsvater genutzten Wohnung aus. Dieser begehrte daraufhin das Sorgerecht. Das Familiengericht im Amtsgericht Auerbach gewährte ihm das Umgangsrecht in Begleitung eines Umgangspflegers. Das brisante daran: der bestellte Umgangspfleger Jörg K. ist jetzt selbst dringend tatverdächtig, den Dreijährigen in seiner Wohnung gemeinsam mit dem Kindsvater Robert H. sexuell missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Das geht aus der Beschwerde einer Chemnitzer Rechtsanwaltskanzlei an die Generalstaatsanwaltschaft Dresden gegen die Einstellungsverfügung der Zwickauer Staatsanwaltschaft hervor (Aktenzeichen 410 Js 13950/18).
Dass dies keineswegs ein Einzelfall ist, zeigt die große Besorgnis der Opferhilfsorganisation WEISSER RING. In einem Rundbrief an die Mitglieder schreibt der geschäftsführende Bundesvorstand und Schatzmeister Franz X. Wanninger: „Bitte helfen Sie uns, die Rechte der Opfer zu wahren! (…) Die große Opferzahl ist beeindruckend. (…) Die Bundesregierung plant leider, die Entschädigungsleistungen für die Opfer zu verschlechtern. Deshalb müssen wir jetzt nachdrücklich unsere Forderungen stellen…“
Klinik_Rodewisch_thumb2Eine fragwürdige Rolle spielt im Fall Maria G. auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Rodewisch (kleines Foto). Hier sollte das Kind ursprünglich nach einer Begutachtung vorübergehend untergebracht werden. Aus bisher nicht bekannten Gründen entschied man sich jedoch für den betreuten Umgang mit den beiden jetzt dringend Tatverdächtigen Robert H. und Jörg K., bei denen sich der Junge gegen den Willen seiner Mutter seit dem 10. August aufhält.

Fotos: ZPA

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