Freitag, 14. Februar 2020

Falsche Unterschrift: Anwalt lehnt „Lumpenhund-Richter“ ab

Westsachsen/Zwickau/Auerbach.- „Ein glücklicher Moment nach all den Strapazen.“ So nennt Waltraud Pecher die kleine Feier anlässlich ihres 57. Hochzeitstages in ihrer neuen Wohnung. Sie dankt gleichzeitig den rund 20 anwesenden Unterstützern, die ihr in den turbulenten Tagen der Zwangsräumung aus ihrem Haus in Auerbach zur Seite standen.
Ende Januar fuhren mehrere Mannschaftswagen der Polizei am Haus von Waltraud Pecher (75) und ihrem pflegebedürftigen Mann Siegfried (78) vor. Ein Umzugsunternehmen begann in der Karl-Marx-Straße mit der Zwangsräumung. Der Familienhund wurde betäubt und in ein Tierheim gebracht. Der eigene Sohn, SPD-Politiker Mario Pecher (57), hatte 2018 Räumungsklage eingereicht. Das Gericht behauptet, die Klage wäre mit schriftlichem Vorverfahren und Räumungsantrag zugestellt worden und ein Einspruch sei nicht eingegangen. Dem widersprechen Waltraud Pecher und ihr Anwalt Jens Conrad (58) energisch. Letzterer spricht gar von „Terrorismus“. Das Urteil sei nie angekommen und Fristen nicht eingehalten worden.

Tatsächlich wandte sich Mario Pecher noch wenige Wochen vor der Zwangsräumung mit einem schriftlichen Angebot per Brief an seine Eltern. Darin bot er Unterstützung bei der Wohnungssuche, die Übernahme aller Kosten für den Umzug sowie Hilfe bei der Suche nach einer „angemessenen fachgerechten Pflege von Siegfried Pecher“ an. Waltraud Pecher reagiert empört: „Nach allem was dieser Mensch uns angetan hat, ist dieses Angebot einfach nur zynisch! Das Leid, das er uns zugefügt hat, ist mit Geld nicht aufzuwiegen.“ Dennoch forderte sie in einem Gegenangebot eine Entschädigung in nicht näher benannter Höhe. Darauf ging ihr Sohn dann allerdings nicht mehr ein.
Inzwischen gab es einen erneuten Prozess in der Sache bei „Lumpenhund-Richter“ Adolf Lindenberger im Zwickauer Amtsgericht. Dieser wurde von Rechtsanwalt Conrad wegen Befangenheit umgehend abgelehnt, die Verhandlung musste vertagt werden. „Die Unterschrift des Richters stimmt nicht mit seinem tatsächlichen Namen überein“, so Conrads Begründung.