Montag, 12. Oktober 2020

Kommentar zur OB-Wahl in Zwickau: Erste Schlappe für Parteienkartell

Westsachsen/Zwickau.-
 Das Waterloo, das die CDU-Kandidatin und derzeit amtierende Baubürgermeisterin Kathrin Köhler am vergangenen Wahlsonntag erleben musste, lässt nur den Schluss zu, dass die hiesigen Wähler sich innerlich von den einstigen sogenannten Volksparteien, und hier ins besondere von der Partei Angela Merkels, verabschiedet haben.
Die inhaltliche Leere, mit der Köhler ihren Wahlkampf führte und die Arroganz, mit der sie sich bereits auf dem OB-Sessel wähnte, dezimierten offensichtlich auf den letzten Metern die ohnehin bereits recht übersichtliche Schar ihrer Wähler. Hingegen die Verdreifachung des Stimmenanteils von Constance Arndt gegenüber dem ersten Wahlgang, mit dem sie wohl selbst in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet hätte, dürfte, realistisch betrachtet, weniger über die gestiegene Begeisterung für die Wahlsiegerin aussagen, als über die lagerübergreifende Einigkeit bei den Zwickauer Wählern, Köhler als neue Oberbürgermeisterin zu verhindern.
Tief blicken lässt hierbei auch die seltsame Allianz aus Köhler-Unterstützern, die sich noch kurz vor dem zweiten Wahlgang gebildet hatte. Vom Ex-AfD-Stadtrat Sven Itzek über den Skandal-SPD-Politiker Mario Pecher bis hin zu Linksaußen-Figuren wie Martin Böttger und Wolfgang Wetzel (beide GRÜNE) hatten verschiedenste regionale Politakteure um Stimmen für Köhler gebuhlt. Vor allem die Schützenhilfe der beiden Grünen dürfte sich eindeutig kontraproduktiv für Köhler ausgewirkt haben, wie das Ergebnis eindrucksvoll zeigt. Die traute Einigkeit, mit der sich linksgrüne Akteure mit einer CDU-Kandidatin gemein machten, verdeutlicht die Kartellbildung, die sich in den Reihen der Altparteien in den letzten Jahren auch auf regionaler Ebene gebildet hat, wohl nur allzu offensichtlich. Eine CDU, die um das Wohlwollen der Grünen buhlt, wächst eben nicht um deren Stimmenanteil, sondern vergrault stattdessen ihre eigene Stammklientel.
Auch die Wahlkampfhilfe des MdL Gerald Otto (CDU), der seine Parteifreundin allein im Regen stehen ließ (WSZ berichtete) und solcher Personen wie MdB Marco Wanderwitz (CDU), MdB Carsten Körber (CDU) und dem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) fruchteten offensichtlich nicht. Dass man in den Reihen der Zwickauer CDU trotz allem zu kritischer Auseinandersetzung mit sich selbst offensichtlich weder willens noch in der Lage ist, zeigt die Tatsache, dass eine so schwache Kandidatin wie Kathrin Köhler von ihrem eigenen Stadtverband mit einem traumhaften Ergebnis von 100 Prozent der Mitglieder für ihre Kandidatur nominiert worden war. Auf die Siegerin des sonntäglichen Duells, die „Bürger für Zwickau“-Kandidatin Constance Arndt, warten hingegen jetzt große Aufgaben. Der kommunalpolitische Scherbenhaufen, den ihr ihre Vorgängerin Pia Findeiß (SPD) hinterlässt, dürfte nicht leicht zu beseitigen sein. Bei der hoffentlich gründlichen Ausmistung des Augiasstalls im Rathaus sei ihr das nötige Durchhaltevermögen gewünscht.
Allerdings darf auch eine Constanze Arndt in der Westsächsischen Zeitung (WSZ) nicht auf Hofberichterstattung hoffen. Selbstverständlich werden wir die neue Oberbürgermeisterin bei Ihrem Handeln fair und kritisch begleiten.

Kommentar: RechercheTeam WSZ