Donnerstag, 8. April 2021

Vorname Adolf: Ein Freibrief für Machtmissbrauch?

Westsachsen/Zwickau.- Wer nennt sein Kind denn heute noch „Adolf“? Spätestens nach dem Ende des 2. Weltkrieges sollte dieser Name doch tabu sein - denkt man. Doch weit gefehlt. Insgesamt 46.171 Adolfs leben heutzutage in Deutschland. Die meisten davon im Westen, denn in der ehemaligen DDR war es streng verboten, sein Kind Adolf zu nennen. Damit ist Adolf Lindenberger (Foto), Richter am Zwickauer Amtsgericht, schon mal vom Verdacht befreit, ein Zuträger des früheren DDR-Staatssicherheitsdienstes gewesen zu sein. Seine Verhaltensweisen erinnern jedoch an ein anderes dunkles Kapitel deutscher Geschichte.
„Ich kam mir vor wie vor einem Tribunal“, sagt Claudia Friedrich. Sie ist Betroffene im Zwickauer Sparkassenskandal und in der Überklebungsaffäre am Zwickauer Amtsgericht. „Adolf Lindenberger hat mich behandelt, als wäre ich ein unmündiges unartiges Kind, das man erziehen müsste. Als ich ihn mit der Urkundenfälschung konfrontierte, schlug er seine Hände vor's Gesicht und schrie: ,ich will das nicht sehen!'. Später behauptete er, ich hätte den gültigen Rechtskraftvermerk selbst überklebt und gab mir den Rat, ich solle doch zum Arzt gehen“.
Während der Verhandlung drückte Adolf Lindenberger immer wieder den Alarmknopf und ließ vom Wachpersonal Leute aus dem Saal entfernen. Darunter Prozessbeobachter, die ihren Unmut gegen seine Unverschämtheiten lautstark zum Audruck brachten. Aber auch völlig Unbeteiligte, die einfach nur den Kopf schüttelten. Claudia Friedrich war fassungslos: „Ich hatte die Verhandlung im Voraus bezahlt, wollte vom Gericht die Gültigkeit des Rechtskraftvermerks festgestellt haben. Stattdessen blufft mich dieser Richter an, als wäre ich für ihn ein Mensch zweiter Klasse und hätte keine Ahnung. In Wirklichkeit wusste er genau, was hier gespielt wird. Mit seinem Herumgetobe wollte er offenbar von seiner Unsicherheit und Inkompetenz ablenken“. In der Folge nannte sie ihren Peiniger einen asozialen, kriminellen, unverschämten, strafvereitelnden Lumpenhund, was ihr eine Strafanzeige wegen angeblicher Richterbeleidigung einbrachte (WSZ berichtete).
Inzwischen wissen wir, dass faschistische Verhaltensweisen nicht unbedingt etwas mit dem Vornamen zu tun haben müssen. Allerdings braucht es nicht viel Fantasie, sich die Kindheit des kleinen Adolfs vorzustellen. Leicht hatte er es damit bestimmt nicht. Trotzdem ist dies kein Grund, später in Machtposition rechtsuchende Menschen zu traktieren, die ihn und seine Verhandlung auch noch bezahlen müssen. „Von einem Richter erwartet man Größe und dass er über den Dingen steht“, so Claudia Friedrich. „Sich so zu benehmen, ist eines Staatsdieners unwürdig. Eine Entschuldigung wäre angebracht“.

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