28 November 2025

Notlösung: Umstrittener Oberstaatsanwalt wird Amtsgerichtsdirektor

Westsachsen/Dresden/Zwickau.- Der im Verdacht der Rechtsbeugung stehende Zwickauer Oberstaatsanwalt Markus Colli wird mit Wirkung vom 1. Dezember zum Direktor des Amtsgerichts Aue-Bad Schlema ernannt. Sachsens Justizministerin Constanze Geiert (CDU) übergab ihm heute die Ernennungsurkunde (Foto).
Bekannt wurde Colli als Schlüsselfigur in der Zwickauer Überklebungsaffäre. Er verhinderte bis zuletzt erfolgreich die Aufklärung dieses Skandals. Trotz mehrerer gegen ihn laufender Ermittlungsverfahren wegen Rechtsbeugung, die unter anderem von den Staatsanwaltschaften Leipzig und Berlin eingeleitet wurden, bekommt der 55-jährige nun den nächsten hoch dotierten Posten angeboten. Direkt aus den Händen der Justizministerin.
Insider wissen allerdings davon zu berichten, dass diese Versetzung an das Amtsgericht Aue-Bad Schlema eher damit zu tun hat, dass man den faulen Ermittler noch vor dem 4. Dezember aus der Schusslinie haben möchte. An diesem Tag findet am Landgericht Zwickau ein Prozess statt, den er selbst angeschoben hat und bei dem er eigentlich die Anklage vertritt. Nur eine Woche, nachdem die Verteidigung das Gericht auf die laufenden Ermittlungen aufmerksam gemacht hatte, folgt nun die Versetzung. Ein Zufall?
Markus Colli wurde 1970 in Paderborn geboren. Nach Absolvierung beider juristischer Staatsexamen begann seine richterliche Laufbahn 1997 als Richter auf Probe beim Arbeitsgericht Chemnitz. Es folgten Zuweisungen an diverse Gerichte und Staatsanwaltschaften in Sachsen. Zum 1. November 2018 wurde er zum Oberstaatsanwalt als ständiger Vertreter des Leitenden Oberstaatsanwalts, Uwe Wiegner, bei der Staatsanwaltschaft Zwickau ernannt. Als Direktor des Amtsgerichts Aue-Bad Schlema folgt er im Amt auf Bernd Sämann, der zum 1. März 2025 zum Vizepräsident des Landgerichts Chemnitz ernannt wurde.
Hintergründe zur Zwickauer Überklebungsaffäre: Sonderausgabe Sächsische Justiz

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