06 November 2026

Lesung mit Jakob Springfeld: Was genau passiert im Osten?


Westsachsen/Zwickau.- Der Raum war gut gefüllt, als der Zwickauer Aktivist und Autor Jakob Springfeld (Foto rechts) am Montag Abend im Brauhaus Esch aus seinem Buch „Der Westen weiß nicht, was im Osten passiert“ vorlas. Zwischen einzelnen Passagen stellte Katja Meier (GRÜNE/MdL) Fragen, die zum Verständnis für die Zuhörer hilfreich waren. Gleich zu Beginn: „Wir beide stammen aus der gleichen Stadt. Was empfindest Du, wenn Du an Deine Heimat Zwickau denkst?“. Springfeld fällt es nicht leicht, das auf den Punkt zu bringen: „Einerseits freue ich mich immer, wenn ich nach Zwickau komme. Schon wegen der Familie und wegen meiner Freunde, die noch immer hier leben. Allerdings wird es mit der Zeit immer schwieriger, darüber nachzudenken, hierher zurückzuziehen. Das hat natürlich hauptsächlich mit den Anfeindungen aus der rechten Szene zu tun. Trotzdem will ich diesen Gedanken immer im Kopf behalten.“
Der Unterschied, den Springfeld zwischen Ost und West sieht, ist die seiner Meinung nach zeitverzögerte „Normalisierung der extremen Rechten“. Im Vergleich zu Rheinland Pfalz und Baden-Württemberg, wo die AfD bei rund 20 Prozent liegt, sind es in Sachsen 30 und in Sachsen-Anhalt über 40 Prozent. Vor acht Jahren seien es da auch „nur“ 20 Prozent gewesen, gibt der selbst ernannte Antifaschist zu bedenken.
Bei der anschließenden Gesprächsrunde fragte ein Gast mit Migrationshintergrund, warum es in Deutschland so viel Hass gibt. „Da wo ich herkomme, gibt es den Slogan ,Liebe für alle Hass für keinen'. Den sollten wir in die Welt hinaustragen.“ Springfeld stimmte dem zu, gab jedoch zu bedenken, dass es nicht immer möglich sei, dem Hass nur mit Liebe zu begegnen: „Manchmal muss man klare Kante zeigen.“ 
Auch wenn es im Buch ausschließlich um Neonazis und rechte Strukturen geht, die den Rechtsstaat in Gefahr bringen, so gab es doch am Ende der Veranstaltung noch einigen Gesprächsbedarf über die Strukturen innerhalb der sächsischen Justiz. Die Moderatorin des Abends, Katja Meier, war bis vor kurzem noch Sachsens Justizministerin. Während ihrer Amtszeit wurde sie regelmäßig über die Probleme an den Zwickauer Gerichten, auch im Zusammenhang mit der Überklebungsaffäre unterrichtet. Leider hat sie bisher nichts bewirkt. Sie ist jetzt als Abgeordnete Mitglied im Petitionsausschuss des Sächsischen Landtags. Da bereits mehrere Petitionen deswegen eingereicht wurden, will sie sich dafür einsetzen, dass das Zwickauer Justizproblem erneut auf die Tagesordnung im Parlament kommt. Die WSZ berichtet über den Fortgang.

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