Mittwoch, 5. Mai 2021

Einmalig in Sachsen: Fußfessel plus Überwachung durch das LKA

Westsachsen/Zwickau.-
Zunächst die gute Nachricht: Hardy Georgi ist endlich wieder frei. Ende April wurde er aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Schillerstraße entlassen, nachdem auch die zweite Revision erfolgreich war. Damit hatte das Oberlandesgericht Dresden (OLG) der Zwickauer Justiz nunmehr vollends ein Armutszeugnis ausgestellt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Revisionen hintereinander erfolgreich sind, geht gegen null und kommt nur bei wiederholten schwerwiegenden Verfahrensfehlern vor“, so der Anwalt der Familie.
Zwar ist Hardy nun auf freiem Fuss, allerdings mit strengen Auflagen. Er muss rund um die Uhr eine elektronische Fußfessel tragen, eine Maßnahme die sonst ausschließlich Terroristen, Mördern und Serienvergewaltigern vorbehalten bleibt. Dagegen protestieren nicht nur seine Rechtsanwälte Uwe Sabel und Patrick Schäfer aus der Kanzlei Dr. Wetzig-Kunze-Schäfer. Auch die Eltern Andrea und Mathias Georgi haben dafür kein Verständnis. Hinzu kommt eine ständige Überwachung durch die Kripo mit mindestens drei Autos vor dem Haus.
Zur Begründung für diese außergewöhnlichen Maßnahmen, die in Sachsen übrigens einmalig sind, führt das Gericht immer wieder an, dass der frisch aus der Haft Entlassene eine Gefahr für seine Ex-Freundin und deren Familie sei. Trotz, dass nach drei Verhandlungen und zwei erfolgreichen Revisionen in den meisten und schwerwiegendsten Vorwürfen seine Unschuld bewiesen wurde. Hardy sieht das anders: „Ich bin damals geflohen, weil ich Angst vor dem Bruder meiner Ex hatte, der mich mehrfach mit dem Tode bedroht hat. Ihr Vater hat mir mit einer Rohrzange auf dem Kopf geschlagen. Die Narbe sieht man heute noch. Damals wäre ich froh gewesen, wenn die Polizei mich beschützt hätte.“
In einer Audioaufnahme, die auch dem Landgericht Zwickau vorliegt, droht Ralf Käferstein Hardys Mutter mehrfach wörtlich: „Ich bring Deinen Sohn um! Ich schwör’s.“ Später rief er den Notruf der Polizei an um dort anzukündigen: „Ich bring ihn jetzt um! Ihr habt euch nicht gekümmert, jetzt kümmere ich mich um ihn.“ Statt dessen glaubt die Justiz heute noch, dass die Gefahr von Hardy ausgeht. „Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Sie das Gewehr versteckt haben“, behauptete Richter Ruppert Geußer vom Landgericht an einem der letzten Prozesstage. Von dieser Annahme ist er bis heute nicht abgerückt. Gleichwohl gibt es mehr als genug berechtigte Zweifel. Dazu der Vater: „Welchen Grund sollte Hardy gehabt haben, sein eigenes legales Gewehr zu stehlen? Auch ergibt es keinen Sinn, mit diesem Gewehr, das mittlerweile überall bekannt ist, eine Straftat begehen zu wollen. Das würde Hardy nie tun. Auf solche Ideen können nur Juristen kommen, die weitab der Realität leben.“
Hardys Anwälte befürchten indessen, dass Ralf Käferstein seine Drohungen aus 2018 jetzt nach der Haftentlassung wahr machen könnte. Deshalb ist es wohl ganz gut, dass die Kripo über das Haus der Georgis wacht. Die Auflagen beinhalten unter anderem, dass sich Hardy dem Anwesen der Familie Käferstein auf keine 500 Meter nähern darf. Das ist sicher bitter, allerdings wohl eher für die Käfersteins. Denn außerhalb dieses Radius darf Hardy überall hin. Sogar ins Ausland.
Ein Ende der Auseinandersetzung scheint hingegen in weiter Ferne, denn Hardy wirft seiner Ex-Freundin vor, ihn zu unrecht wissentlich falsch belastet zu haben und erstattete gegen sie und ihre Familie mehrere Strafanzeigen wegen Vortäuschens von Straftaten. „Sie ist und bleibt eine Lügnerin“, so der Vorwurf von Hardy Georgi.

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