Mittwoch, 5. Mai 2021

Im Interview: Heiko Richter vom Verein Zukunft Zwickau e.V.

WSZ:
In den letzten Monaten war es etwas ruhig geworden um Zukunft Zwickau. Woran lag es?
Richter: Wir haben bei Zukunft Zwickau eine personelle Umstrukturierung vornehmen müssen. Unser Spielfeld ist die politische Auseinandersetzung. Dabei nutzen wir Worte, Ideen, Kompetenz und nehmen Meinungen und Stimmungen der Menschen auf. Wir sind jedoch gegen jegliche Gewalt und Aggressionen. Wer das nicht versteht und akzeptiert, hat bei Zukunft Zwickau nichts verloren, auch wenn es Mandatsträger sind.
WSZ: Wie geht es jetzt mit Zukunft Zwickau weiter?
Richter: Wir haben zu Anfang einen sehr guten Weg eingeschlagen. Ziel war es immer, die Schwächen von Parteien bei uns nicht wirken zu lassen. Zukunft Zwickau ist daher anders angelegt. Parteien sind sich selbst regulierende und selbstdisziplinierende Systeme. Dies bedeutet, dass es da eine systematische Negativselektion gibt. Man kann das unabhängig der politischen Ausrichtung in allen Parteien beobachten. Nicht die Kompetenten werden nach oben gespült, sondern diejenigen, die in der Lage sind, sich Mehrheiten zu verschaffen. Das gelingt am besten den Leuten, die unauffällige Ja-Sager sind und bedingungslos die Parteiagenda umsetzen, ohne diese zu hinterfragen. Leute die Intelligenz und Kompetenz besitzen, ecken bei der Masse in der eigenen Partei an. Gute Beispiele dafür sind Wagenknecht, Sarrazin, Maaßen oder auch Palmer. Wir bei Zukunft Zwickau haben deshalb einen anderen Ansatz gewählt. Wir beurteilen die Leute nach Ihrer Kompetenz, die sie aufgrund ihres Berufes oder ihren Erfahrungen mitbringen. Ein Lehrer kennt sich nun mal am besten im Bildungswesen aus und eine Krankenschwester oder ein Arzt im Gesundheitswesen. Es gilt daher, Zukunft Zwickau personell zu erweitern.
WSZ: Was werden die nächsten Schritte sein?
Richter: Wir werden verstärkt versuchen, Leute für Zukunft Zwickau zu begeistern. Diese sollten die Idee der Herangehensweise mit tragen und uns bei der Umsetzung helfen. Jeder hat irgendetwas in sich, worin er überdurchschnittlich gut und kompetent ist. Genau diese Fähigkeiten, wollen wir für unsere politische Arbeit nutzen und jeder kann sich auf seinem Gebiet einbringen. Dabei wollen wir nach und nach alle politischen Themenfelder besetzen. Sollten sich mehrere Personen zu einem Themenfeld finden, bilden wir dann Kompetenzteams. Mit dieser Herangehensweise können wir derzeit außerparlamentarisch und in Zukunft vielleicht auch wieder parlamentarisch fundierte Aussagen zu den Diskurs beherrschenden Themen machen und natürlich eigene Ideen und Akzente einbringen.
WSZ: MdB Wolfgang Wetzel von den GRÜNEN bezeichnet die Mitglieder von Zukunft Zwickau oft als NAZIs, Rassisten, Ausländerfeinde und Rechtsradikale. Was sagen Sie dazu?
Richter: Darüber können wir eigentlich nur müde lächeln. Nehmen wir mal die einzelnen Begriffe und schauen uns die genau an. NAZIs = National SOZIALISTEN. Ich glaube, keiner von uns möchte den Sozialismus, egal ob rot, braun, gelb oder grün. Wenn man sich jedoch die Mittel und Methoden anschaut, deren sich Herr Wetzel und seine Genossen bedienen, scheint es, als ob diese Leute vergangenen politischen Systemen bedeutend näher sind, als Zukunft Zwickau. Wenn wir ausländerfeindlich und rassistisch wären, müsste man sich ja auch auf mich stürzen. Meine Frau hat polnische Wurzeln, mein Onkel ist Grieche und meine große Tochter lebt mit einem Kroaten zusammen. Ich selbst war in meiner früheren journalistischen Tätigkeit in vielen Ländern unterwegs und habe mich vor Ort mit allen immer sehr gut verstanden. Es geht uns nicht darum, Ausländer per se zu bekämpfen. Wir kritisieren jedoch mit Nachdruck, die Einwanderungspolitik Deutschlands in Verbindung mit der Aushöhlung des Sozialstaates und der steigenden Kriminalität in diesem Sektor. Bleibt der Begriff „Rechtsradikale“. Ich persönlich habe mit dem Begriff „rechts“ keine Berührungsängste. Rechts steht zum Beispiel für Recht und Ordnung. Es ist ein politisches Label wie Links oder Mitte zur Einordnung in der politischen Landschaft. Das rechts derzeit von Politikern und Medien stigmatisiert wird, finde ich eher traurig. In einer Demokratie gibt es nun einmal unterschiedliche Meinungen. Das ist das Wesen einer Demokratie. Schließt man von vorn herein Meinungen aus, dann ist es keine Demokratie mehr. Leute die so etwas machen, sind nicht an einer konstruktiven, Ergebnis offenen Diskussion interessiert, sondern wollen nur ihre Ideologie mit aller Macht durchsetzen. Für sie gibt es keine andere Meinung. Hier findet man aus meiner Sicht die wirklichen Feinde der Demokratie. Im Übrigen: gerade die Neustrukturierung von Zukunft Zwickau beweist, dass wir uns von radikalen, gewaltbereiten und aggressiven Personen sehr schnell trennen. Zukunft Zwickau agiert prinzipiell basierend der bestehenden Gesetze und auf Basis der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Wir reden prinzipiell mit allen, die mit uns reden möchten. Das werden wir auch beibehalten.
WSZ: Was sind die nächsten Projekte bei Zukunft Zwickau?
Richter: Auch uns behindert das Thema Corona in der Arbeit. Treffen sind nicht erlaubt und der 1.Mai hat gezeigt, wie man mit Kritik umgeht. Deshalb bleibt nur die Kommunikation via Internet. Liebe Leute, sprecht uns einfach an!
WSZ: Die letzte Frage zielt auf die Bundespolitik. Laschet, Scholz oder Baerbock. Wer wird Kanzler?
Richter: Bevor ich zur eigentlichen Antwort auf die Frage komme, eine kleine Anmerkung zur AfD. Dass diese Partei keinen Kandidaten stellt, ist sicher eine vergebene Chance. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit eines AfD-Kanzlers nicht sonderlich hoch, jedoch der Werbeeffekt wäre enorm. Politisches Marketing war aber noch nie die Königsdisziplin der AfD. Schade für die verpasste Chance. Was die Kanzlerschaft betrifft zwitschern die Vögel von den Dächern, dass es Baerbock werden soll. Politik und Medien rühren ja schon kräftig die Propaganda-Trommeln. Wenn sich sogar EZB-Chefin La Garde positiv für Baerbock ausspricht, weiß man wohin der Hase läuft. Es muss erst schlimmer werden, ehe es wieder besser wird. Aber wir habe noch einen langen Weg vor uns. Den Leuten geht es noch zu gut. Erst wenn es an den eigenen Geldbeutel geht (und das wird kommen) werden sie merken, dass wir von Zukunft Zwickau das bereits lange vorher haben kommen sehen.
WSZ: Danke für das Gespräch.