Freitag, 1. September 2017

BSW unternimmt große Anstrengungen für die Wohlfühlgeneration

Werdau/Zwickau.- Wer hätte das gedacht? Noch vor wenigen Jahren war es schwierig, als Schulabgänger überhaupt einen passenden Ausbildungsplatz zu bekommen – und heute das: Betriebe à la couleur buhlen für jeden neuen Bewerber regelrecht um die Wette. Einige von ihnen haben sich zu einem Projekt zusammen gefunden, das seit drei Jahren vom Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (BSW) angeboten wird. Das Projekt heißt „Praxisorientierte Berufsorientierung“ und soll als Mittler zwischen Schule und Wirtschaft fungieren. Gestern traf man sie sich zu einem Gespräch im Schloss Osterstein und zog Zwischenbilanz.bsw_BerufsorientierungWerdaus Oberbürgermeister Stefan Czarnecki (Mitte) begrüßt als Schirmherr des Projekts die anwesenden Gäste.

Nach einer kurzen Einleitung durch den Werdauer Oberbürgermeister Stefan Czarnecki, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat, begrüßte BSW-Fachleiter Jens Särchinger die Gäste. Insbesondere den neu hinzu gekommenen Netzwerkpartner „Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbH“ (SSH), deren Geschäftsführer Jens Geigenmüller als Gastgeber zur Veranstaltung ins Schloss eingeladen hatte. Sein Anliegen erklärt er wie folgt: „Bis vor wenigen Jahren hatten wir noch genügend Kräfte durch den Zivildienst und das Soziale Jahr. Seit dem die Wehrpflicht weggefallen ist, gibt es diese Möglichkeiten praktisch nicht mehr.“ In der Zusammenarbeit mit dem BSW sieht er deshalb einen guten Zugang zu den Jugendlichen, gerade im Ausbildungsbereich Hauswirtschaft.
Rebekka Robbe vom Familienunternehmen „Rhenus Logistik“ aus Meerane stellt fest, dass die Bewerbungen um Ausbildungsplätze deutlich weniger werden: „Der Konkurrenzkampf um die Azubis ist groß“, lautet deshalb ihr Résumé. Kay Hertel, Schulleiter der Diesterweg Oberschule in Werdau bemerkt, dass die Anstrengungsbereitschaft der Schüler, sich selbst aktiv um einen Ausbildungsplatz zu bemühen, sinkt. Er begrüßt deshalb die Initiativen vieler Unternehmen, die von sich aus auf die Schulen zugingen. Uwe Brauner, Schulleiter der Tännichtschule in Meerane, spricht sogar von einem „Rundum-Sorglos-Paket“, das den Schülern geboten werden muss, um sie zu motivieren: „Wir lassen die Kids morgens bei uns in der Schule abholen. Sie verbringen dann den Tag im Werdauer Bildungszentrum, werden dort rundum betreut und nachmittags zurück zu uns nach Meerane gebracht. Den Jugendlichen entstehen damit keine zusätzlichen Umstände und den Eltern keine Kosten.“
Gefördert wird das Projekt zur Hälfte durch die Zwickauer Arbeitsagentur, 50 Prozent steuert die Privatwirtschaft bei. Unterstützung kommt auch von der Industrie- und Handelskammer Zwickau (IHK). Simone Bonsert von der IHK-Berufsbildung hat ein paar Zahlen zur Hand: „Im Kreis Zwickau haben bis zum Stichtag 31. Juli 2017 insgesamt 514 Betriebe 750 neue Ausbildungsverträge bei uns registrieren lassen. Das sind 47 mehr als im Vorjahr. Die meisten Neueintragungen gab es im Bereich Metalltechnik, Papierherstellung, Druck sowie Hotel und Gaststätten. Von insgesamt 2.927 neuen Ausbildungsverhältnissen im IHK Bezirk Südwestachsen entfallen rund 25 Prozent auf den Kreis Zwickau.“
Im BSW Bildungszentrum Werdau werden derzeit 703 Schüler der Klassen 7, 8 und 9 aus neun Oberschulen und einem Gymnasium auf ihr Berufsleben vorbereitet. Fachleiter Jens Särchinger stellt fest, dass auch die Zahl der Schulabbrecher zurück gegangen ist. „Selbst wenn ein Schüler nach dem Projekt sagt: ,Diese Arbeit ist nichts für mich.’, dann war es trotzdem eine Entscheidungshilfe für ihn. Er kann sich dann anders orientieren und spart sich unter Umständen wertvolle Lebenszeit.“
Unternehmen und Schulen, die sich für eine Teilnahme an diesem Projekt interessieren, können sich im Internet informieren www.bsw-sachsen.de oder direkt mit dem Bildungszentrum kontakt aufnehmen: bz-werdau@bsw-mail.de

Text und Foto: ZPA/Olaf Thalwitzer