Sonntag, 19. Juli 2020

Konfliktlösung in der Schule: „Politiker könnten davon lernen“

Westsachsen/Zwickau.- Mit ihrer Idee einer Lehrer-Schüler-Konferenz hatten die Viertklässler der Schule am Scheffelberg im Zwickauer Stadtteil Eckersbach bereits vor Monaten für Aufmerksamkeit gesorgt und konnten somit den bundesweiten Wettbewerb „Demokratisch handeln“ für sich entscheiden. Als Preis stand dafür ursprünglich für die Jungen und Mädchen eine Reise nach Berlin inklusive einer Besichtigung des Reichstages auf dem Programm. Zum Leidwesen der Kleinen wurde daraus aber leider nichts. Der Grund für diese Absage war einmal mehr die allgegenwärtige Corona-Panik und die mit ihr verbundenen Einschränkungen.
Doch für die Jungen und Mädchen der Scheffelbergschule sollte es am Donnerstagvormittag zumindest ein Trostpflaster geben. Statt der Reise nach Berlin stand nun eine kindgerechte Stadtführung durch Zwickau auf dem Programm. Statt ein Besuch bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) immerhin ein Empfang bei Zwickaus Noch-Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Und so traf sich die kleine Gruppe gegen 10 Uhr vor dem Rathaus, wo Stadtführerin Angelika Michaelis mit viel Einfühlungsvermögen zu einer kleinen, kindgerechten Stadtführung lud, bei der es für die Kinder viel Wissenswertes zu erfahren gab. Mit etwas Verspätung fand um kurz nach elf schließlich der lang erwartete Beusch im Bürgersaal des Rathauses statt. Hier wurden die Kinder von der amtierende Oberbürgermeisterin empfangen. Findeiß, die in Kürze „aus persönlichen Gründen“ in den vorzeitigen Ruhestand wechseln möchte, verfügt bekanntlich über jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Schon zu DDR-Zeiten sammelte sie ihre ersten politischen Erfahrungen als FDJ-Funktionärin, bevor sie, wie viele ihrer damaligen Genossen, nach der politischen Wende von der SED in die SPD überwechselte.
Die cleveren Kinder aus Eckersbach brachten viele Fragen und Ideen mit ins Rathaus. Vor allem der Müll in der Stadt, zum Beispiel am Neumarkt und rund um das Eckersbacher Stadion, stört die Kinder. Wie man diesen Missstand abstellen könne, wollten sie von Findeiß wissen. Diese antwortete darauf mit ihrem fast schon legendären Satz, „der Müll trage sich schließlich nicht von allein auf die Straße“. Außerdem wolle sie sich nach diesem Hinweis mit dem Garten und-Friedhofsamt kurzschließen. Wie man Verantwortung an Andere delegiert, dürften die Scheffelbergschüler somit an diesem Tage gelernt haben.
Am Ende stellten die Kids noch ihr Projekt vor, mit dem sie für einen harmonischeren Schulalltag gesorgt hatten. So wird die Nutzung des Fußballplatzes, der früher für alle Schüler gleichermaßen zugänglich war und dadurch vor allem von den älteren Schülern in Beschlag genommen wurde, jetzt nach Zeiten eingeteilt. Die Idee ist gut. Schon die Kinder haben verstanden, dass die räumliche Trennung potentieller Konfliktparteien das beste Mittel für die Vermeidung von möglichen Konflikten ist. „Eine Idee, von der hiesige Politiker durchaus einiges lernen könnten“, meinte ein Beobachter.