07 April 2026

Pädokriminelle Netzwerke: Welche Rolle spielen die Justizbehörden?

Westsachsen/Plauen/Zwickau (Stadt der doppelten Amtsfunktion).- In den letzten Tagen wurden Stimmen laut, die behaupten, dass die Ermittlungsbehörden in Sachsen ihrer Aufgabe nicht immer gerecht würden. Im Internet kursieren mehrere Videos einer Frau namens Yasmin S., die behauptet, ihr Sohn sei ihr im sogenannten „Sachsensumpf“ entrissen worden. Seit 2018 kämpfe sie dafür, das Sorgerecht wieder zu erlangen. Was sie in dieser Zeit erlebt habe, sei haarsträubend.
Das RechercheTeam der Westsächsischen Zeitung hat sich die Mühe gemacht, der Sache auf den Grund zu gehen. Der erste Weg führte zu dem Rechtsanwalt, der 2018 den Fall übernommen hatte. Hier teilte man uns mit, man habe die Polizei damit beauftragt, eine Hausdurchsuchung beim Kindsvater durchzuführen. Als Grund nannte die Kanzlei, dass der Verdacht der Kindeswohlgefährdung im Raum stünde. Der damals noch nicht ganz dreijährige Junge würde von seinem Vater und einigen dessen Bekannten sexuell missbraucht. Außerdem gebe es Zeugenaussagen, wonach im Haus scharfe Waffen deponiert seien. Nachdem sowohl das Überfallkommando wie auch das hinzu gerufene Jugendamt diesen Verdacht nicht bestätigen konnten, wurde die Kindsmutter genauer unter die Lupe genommen. Danach bekam der Vater das Sorgerecht zugesprochen.
Yasmin S. kann diese Entscheidung bis heute nicht akzeptieren, ruft immer wieder zu Demonstrationen auf, nennt zuletzt in einem YouTube-Video sogar den kompletten Namen des Vaters und des Sohnes sowie den genauen Wohnort der beiden. Wohl in der Hoffnung, dass öffentlicher Druck die Wahrheit letztendlich ans Licht bringen würde. Wie es ihrem heute elfjährigen Sohn damit geht, der über viele Jahre diese Schmach ertragen musste, ist ihr offensichtlich egal. Sie beschuldigt hingegen die sächsischen Behörden, die in einem Netzwerk von Pädosexuellen handeln und Kinder im großen Stil entführen und missbrauchen würden. So ähnlich, wie es bereits Mitte der 2000er Jahre um das Leipziger Bordell „Jasmin“ bekannt wurde, als es um Korruption, Zwangsprostitution und Verbindungen zwischen Rotlichtmilieu, Justiz und Politik ging. Nur heute eben mit Kindern.
Aus den Erfahrungen der letzten Jahre und aufgrund unserer Recherchen wissen wir, dass es in der sächsischen Justiz alles andere als sauber zugeht. An Recht und Gesetz hält sich kaum noch ein Beamter. Weder in der Staatsanwaltschaft, noch bei Gericht. Im Gegenteil. Eine Richterin sagte während einer Verhandlung am Landgericht Zwickau sogar ganz offen: „Lassen wir doch das Gesetz mal beiseite!“. Auch das sächsische Justizministerium ist hier keine Hilfe. Im November 2025 wurde beispielsweise Markus Colli aus der Zwickauer Staatsanwaltschaft in die Funktion des Amtsgerichtsdirektors Aue-Bad Schlema befördert, obwohl bereits mehrere Ermittlungsverfahren wegen Rechtsbeugung gegen ihn liefen. Drei Monate später versah Colli ein Schreiben mit dem Stempel der Staatsanwaltschaft Zwickau und signierte gleichzeitig als Amtsgerichtsdirektor. Eine Doppelfunktion, die verfassungsrechtlich eigentlich ausgeschlossen ist. Zuvor hatte er einen Titel zu einer angeblichen Doktorarbeit für den Hochstapler Rechtsanwalt Reinhard Schübel erfunden, den es nie gab. Das Justizministerium spielt bei diesen Rechtsbrüchen offensichtlich mit, vielleicht sogar die Hauptrolle.
Zurück zur Ursache des Problems: Verfolgt Yasmin S. lediglich eine perfide Taktik, indem sie real existierende, dokumentierte Ungeheuerlichkeiten in der sächsischen Justiz instrumentalisiert? Es drängt sich der Verdacht auf, dass sie belegbare Skandale als seriöses Fundament nutzt, um ihren eigenen, höchst zweifelhaften Narrativen einen glaubwürdigen Anstrich zu verleihen. Ein gefährliches Spiel, das ohne Rücksicht auf das betroffene Kind geführt wird, da viele ihrer Behauptungen einer objektiven Prüfung nicht standhalten.
ABER... Was wäre, wenn die Behauptungen über (pädo-)kriminelle Netzwerke innerhalb sächsischer Behörden auch nur ansatzweise einen wahren Kern besäßen? Müsste man sich dann nicht zwangsläufig fragen, ob jeder Amtsträger, der direkt oder indirekt mit solchen Strukturen in Berührung kam, schlichtweg erpressbar geworden ist? Einige bisher rätselhafte Vorgänge wären damit erklärbar.