12 August 2026

Bericht eines Zwickauers von der großen Projekt-M1llion-Demo in Plauen

Westsachsen/Plauen/Zwickau.- Nach der Auftaktveranstaltung in Berlin lud das „Projekt M1llion“ regierungskritische Bürger zur Folgeveranstaltung am 8. August nach Plauen ein. Initiator war Marcel Baldauf aus der Region Chemnitz. Der 11-Punkte-Plan ist unter www.projektm1llion.de nachzulesen.
Hier einige Auszüge:
Punkt 1: Rücktritt der Regierung und sofortige Neuwahlen
Punkt 2: direkte Demokratie nach dem Schweizer System
Punkt 3: Abschaffung der CO2-Steuer
Punkt 5: sofortiger Stopp der neuen Gesundheitsreform.
Außerdem: GEZ-Stopp, Entbürokratisierung, Politikerhaftung vieles andere mehr.
Mein Bericht:
Ich fuhr also 8:26 Uhr von Zwickau mit dem Zug nach Plauen und befand mich schließlich unter rund 10.000 Menschen, die von 400 Gegendemonstranten und manch anderen Schaulustigen am Straßenrand - oder noch vorsichtig hinter der Gardine Stehenden - begrüßt wurden (Zahlen des Mitteldeutschen Rundfunks/mdr).
Sanitätsstation, Dixi-Toiletten, Getränke, Fahrgemeinschaften und Busse für die Anreise – alles war gut organisiert. Die weiteste Anreise hatten wohl die Teilnehmer aus der Schweiz. Am Albertplatz betrieben die „Freien Sachsen“ ihren Infostand. Später am Tag war dort das „Compact-Magazin“ mit einem Stand zu finden. Als kostenloses Souvenir wurde an einem Fahrzeug die unabhängige, kritische, parteilose und werbefreie Zeitung Klartext verteilt. Ja, es gibt neben der WSZ weitere unabhängige und kritische Medien: Hauke Verlag, StadtZeitung.netUN-Nachrichten, Signal Online
Nach einer Kundgebung mit Reden und Musikbeiträgen auf dem Albertplatz startete der große Aufzug gegen 13 Uhr und zog nördlich um den Bahnhof herum, um sich dann die lange gerade Friedensstraße hinab Richtung Innenstadt zu bewegen. Im Demozug fuhren Lautsprecherwagen mit, von denen man Durchsagen und Musik hörte und die weiteren Menschen die Gelegenheit boten eine Rede zu halten.
Zu den beliebtesten Rednern zählten Colette aus Aschersleben (Foto unten) und Wolfgang aus Zwönitz, die mit Herz und Feuer ihre Zuhörer begeistern. Nach einer Zwischenkundgebung nahe der Stadt-Galerie ging es wieder die Bahnhofstraße hinauf zum Ausgangspunkt Albertplatz.
Der mdr machte aus diesem großen Tag einen Bericht von 1 Minute und 47 Sekunden. Es eventuell gar nicht zu bringen, hätte seinen Ruf noch mehr geschädigt. Zum Glück gibt es viele YouTuber, die stundenlang live übertrugen und aufzeichneten. Interessierte wissen, wie die Kanäle heißen. Der linke YouTuber „marcant“ war auch wieder unter uns, da er seit Jahren nach einem Nazi sucht und ihn in unseren Reihen vermutet. Er bleibt bei unseren Demos unbehelligt.
Ich entdeckte einen Teilnehmer, der ein altes NSU-Fahrrad dabei hatte. Aber: NSU steht nicht für Nationalsozialistischer Untergrund, sondern für die ehemaligen Neckarsulmer Motorenwerke.
Das Fahnenmeer der Demo bestand hauptsächlich aus Deutschland-, Sachsen- und Friedensfahnen. Daneben gab es individuelle Banner und Plakate. Ein Sachse trug folgende Botschaft: „Das beste Entlastungspaket für uns Bürger wäre der Rücktritt dieser Regierung!“ Ein weiteres Beispiel: „Die Politiker lügen wie gedruckt. Die Presse druckt was sie lügen.“
Viele T-Shirts von Teilnehmern trugen die Aufschrift: „Das letzte Hemd“, ein T-Shirt gar: „Ich brauch ne Krankmeldung bis Ende Merz“. Eine große Trommel war dekoriert mit: „Bass statt Bomben und Friedenshetzer“. Ja, in einer so vom Krieg gezeichneten Stadt wie Plauen haben Kriegshetzer keine Chance.
Die Demo verlief völlig friedlich. Die Lage wurde aber von der Polizei unnötig aufgeheizt. Die Polizisten verlangten, dass die Trommler weder Block noch Reihe bilden und sich unregelmäßig in dem Aufzug verteilen sollen. Weitere Forderung: Das Schlagen von Marschtakt auf Trommeln ist unzulässig. Dann könnte man auch Liebesmelodien auf der Harfe verbieten. Wer hat am anderen Ende der Strippe der Polizei diesen Auftrag gegeben?, frage ich mich. Wegen diesen Forderungen stoppte die Polizei die Demo während der für ältere Teilnehmer gefährlichen Hitze für rund 45 Minuten ausgerechnet nach der engen Bahnunterführung, bevor es dann nach einer Einigung auf der Friedensstraße weiter Richtung Innenstadt ging. Die Einigung bestand darin, dass die Trommler die Möglichkeit einer spontanen Demoanmeldung nutzten und dann für sich liefen und trommelten. Vielleicht hoffte man, durch den Stopp einige Teilnehmer zum Verlassen der Demo zu bewegen, um die Wirkung einer großen kritischen Menschenmenge auf das Volk zu reduzieren und/oder um unschöne Aktionen zu provozieren. Ich fühlte mich ein bisschen wie eingekesselt, da es sich um eine Engstelle handelte – zurück ging es nur durch den Tunnel, den man am anderen Ende auch leicht hätte abriegeln können.
Im dicht bewachsenen Hang gegenüber des Bahnhofs an der Engstelle sorgte plötzlich eine Rauchbombe für Nebel – Verursacher unbekannt. Ich stimme allen Kritikern zu, dass eine Massenpanik an so einer Stelle sehr unschön enden kann und der Demo-Stopp allein deshalb dort völlig unangebracht war.
Im Laufe des Tages bemerkte ich vier kleine Gegendemos von Linken (am Bahnhof), Bunten, Grünen und SPD (am Albertplatz). Mangels Argumenten sind die Gegendemonstranten oft nicht zum Diskurs bereit. Man ruft „Alerta Antifaschista!“, pfeift ohrenbetäubend, zeigt den Mittelfinger, trägt T-Shirts mit: „Kein Bock auf Nazis“ oder: „Köpfe die Faschisten in deiner Gegend“. Eine linksbunte Gruppe hatte einen Pferdekopf mit Hitlerscheitel und die zwei Worte „Ruhig Brauner“ auf einem Banner (Foto). Aus der Gruppe der Grünen wurde ein Buch gegen ein Deutschland-Banner mit Höcke-Bild geworfen (Buchtitel: Rote Linien). Ich verstehe das. Sie halten sich für die Besten und haben trotzdem nur wenige Mitstreiter. Dazu noch das durch Anwohnerprotest zur Demontage gebrachte Riesen-Windrad von Oberwiera und die Fünf-Prozent-Hürde, die sie für andere gut finden und die jetzt für sie selbst zum Stolperdraht wird. Das kann schon mal aggressiv machen. „Projekt M1llion“ war in Plauen ein voller Erfolg. Und als nächster Veranstaltungsort wurde Leipzig bekanntgegeben. Geplant als großer Dialog über Deutschlands Zukunft am 24. August. Alle Parteien, die Presse und Ihr alle seid zu einer Saalveranstaltung eingeladen, die live übertragen wird und vor Ort im Außengelände per riesiger LED-Leinwand allen erlaubt, hautnah dabei zu sein (Stand der Information am 11.08.).
Den am Volk vorbei Regierenden sei gesagt: Der Geist von 1989 ist zurück – nicht als kleine Ostalgie-Party sondern mächtig gewaltig.
Euer Ecke