Montag, 26. Oktober 2020

Ehemaliger Fabrikkomplex wandelt nahezu täglich sein Gesicht

Westsachsen/Werdau.-
Sie war seit vielen Jahren ein Schandfleck Werdaus, doch nun sind ihre Tage endgültig gezählt: Die Industriebrache ehem. B+U Tuchfabrik Richardstraße 1-3 am Platz der Solidarität. Am 23. Mai 2019 beschloss der Stadtrat einstimmig den Rückbau und die Revitalisierung des Areals.
Der Fabrikkomplex der Vigognespinnerei Otto Ullrich in der Richardstraße 3 wurde im Jahr 1889 errichtet. An der Richardstraße 1 befand sich das ehemalige Kontorgebäude der Vigognespinnerei und Wohnhaus eines der Textilfabrikanten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde aus dem Betrieb die VEB Tuchfabrik Werdau, der dann 1962 durch die Kombinatsbildung „Wolle und Seide“ als Werk IV in die Volltuchwerke Crimmitschau eingegliedert wurde. Nach der Wende gelang es aufgrund des strukturellen Wandels und dem Niedergang der Textilindustrie nicht, die Produktion aufrechtzuerhalten. Im Dezember 1993 begann die Liquidation der Tuchfabrik Werdau GmbH. Nach jahrelangen Bemühungen glückte es der Stadt Werdau 2016, das Brachengrundstück zu erwerben.
Ziel ist der Rückbau des 12.559 m² großen Areals, eine konsequente Entsiegelung sowie der Abtrag großer Mengen an kontaminiertem Erdreich. Allein der Abbruch der Industriebrache beinhaltet 31.800 m³ umbauten Raum. Er ist inklusive Tiefenenttrümmerung nahezu abgeschlossen. Hinzu kommen hohe Mengen an Erdmassen, die entsprechend der Schadstoffbelastungen entsorgt werden müssen. Außerdem wurde die alte Stützwand abgebrochen, das Gelände neu modelliert und Stauraum für die Pleiße geschaffen werden. Derzeit erfolgt Erdaushub, um die Pleißeböschung neu zu profilieren. Dabei wird ca. 0,5m tiefer ausgehoben und der oberhalb anstehende Lehm wieder eingebaut. Er fungiert als Dichtschicht, durch die der Grundwasserleiter geschützt und oberflächennah zur Pleiße geführt wird. Der Lehm wird dazu an der Seite zur Straße „Am Stadtpark“ zwischengelagert. Parallel erfolgen am Pleißeufer die Vorbereitungen zum Einbau einer Ufersicherung sowie für den Steinsatz, der die Brücke schützt.
Anschließend erfolgt die Gestaltung des Geländes als naturnahe öffentliche Grünfläche zur Erholung. Diese Arbeiten werden 2021 realisiert. „Der konzeptionelle Gedanke besteht darin, die Flächen gestalterisch und funktionell zu verbinden, das Potential des Flusses zu fördern und die ehemalige Brachfläche damit erlebbar zu gestalten. Neben der geplanten Freizeit- und Erholungsnutzung spielt bei der Gestaltung der Fläche der Umweltschutz ebenfalls eine Rolle. Es erfolgt eine ökologische Aufwertung der Fläche unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes. Neben der Ansaat von verschiedenen Blühmischungen mit späterer naturschutzgerechter Bewirtschaftung der Flächen erfolgt die biotopgerechte Gestaltung der einzelnen Ebenen mit Gehölzen. Zudem wird im Rahmen der Nachnutzung die Richardstraße halbseitig wiederinstandgesetzt. Dazu gehören auch die Wiederherstellung eines 2 m breiten Gehweges sowie das Anlegen von 15 Längsstellflächen. Die entsprechenden Vorbereitungen laufen aktuell.
Entlang der Straße Zum Stadtpark, die in einem späteren Schritt grundhaft ausgebaut werden soll, entstehen zudem Flächen für den Bau von Mehrfamilienhäusern. Dafür stehen 3.369 m² zur Verfügung. Die Fläche ist im Nachnutzungskonzept als Bauland vorgesehen und ist nicht Bestandteil des Förderantrages. Auf eine entsprechende Ausschreibung beworben sich zwei Bieter. Der Verkauf steht auf der Tagesordnung des Stadtrates für den 29. Oktober 2020.
Die Gesamtkosten für die Maßnahme betragen nach Kalkulationen des beauftragten Ingenieurbüros rund 1.540.000 EUR. Die Finanzierung der Einzelmaßnahme erfolgt zu 80 % aus Europäischen Fördermitteln (EFRE) und 20 % Eigenmitteln der Stadt Werdau.

Quelle und Fotos: Stadtverwaltung Werdau

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