Mittwoch, 9. September 2020

OB-Wahlkampf: Was verschweigt die CDU in der Sparkassen-Affäre?

Westsachsen/Zwickau.-
 Wenn am 20. September der/die neue Oberbürgermeister/in gewählt wird, haben die Zwickauer auch die Möglichkeit, sich für eine Kandidatin der CDU zu entscheiden. Allerdings sollten sie vorher wissen, worauf sie sich dabei einlassen.
Kathrin Köhler (CDU/Foto oben) versprach vor mehreren Wochen, sich zu einem Gespräch mit der Geschädigten in der Sparkassen-Affäre zu treffen (WSZ berichtete). Es gab mehrere Telefonate mit ihrem Büro und auch persönlich. Schließlich wurde ein Termin an einem Donnerstag vereinbart, an dem Köhler die von der Sparkasse Zwickau um rund 11.000 Euro betrogene Kundin zu Hause aufsuchen wollte. Doch daraus wurde nichts. Ihr Büro sagte den Termin kurzfristig ab. „Es ist immer dasselbe“, erklärt die Betroffene. „Erst tut man so, als interessiere man sich für den Fall und wolle helfen. Nachdem man dann Rücksprache mit der Sparkasse oder dem Gericht genommen hat, macht man einen Rückzieher. Das betrifft fast alle Politiker mit Ausnahme von René Hahn (LINKE) und Mario Pecher (SPD), die mir wenigstens zuhörten und versuchten, mir zu helfen. Auch wenn sie gegen die in Sachsen alles beherrschende CDU nicht viel erreichen konnten“.
Neben der OB-Kandidatin Kathrin Köhler ist auch der CDU-Landtagsabgeordnete Gerald Otto (Foto unten) seit langem vollständig informiert. Seine Aussage, er könne da nichts machen, ist eine glatte Lüge. Bereits vor einem Jahr, als er Michael Kretzschmer (CDU) bei dessen Wahlkampf zum Ministerpräsidenten unterstützte, wurde er in Zwickau mit dem Justiz-Skandal und der Sparkassen-Affäre konfrontiert (WSZ berichtete). Auch Kretschmer selbst wurde durch mehrere Bürger vor Ort daraufhin angesprochen (Video hier). Für Gerald Otto wäre es also ein leichtes gewesen, diese Themen mit seinem Parteigenossen noch am selben Tag zu erörtern und so das Problem zu lösen. Statt dessen versteckt er sich bis heute hinter fadenscheinigen Entschuldigungen und Ausflüchten.
Wir haben Kathrin Köhler, so wie die anderen Kandidaten auch, mit dieser Frage konfrontiert: „Die derzeitige OBin führt ihre Kontrollfunktion als Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Zwickau nur sehr mangelhaft aus. Wie werden Sie in dieser Angelegenheit agieren, sollten Sie gewählt werden?“. Eine Antwort steht noch immer aus. Es ist also zu befürchten, dass unter ihrer Leitung weitere Kunden der Sparkasse zu Schaden kommen, weil sie ihrer Kontrollpflicht als Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Zwickau ebenso wenig nachkommen wird, wie ihre Vorgängerin Pia Findeiß (SPD). Die Zwickauer haben am 20. September die Wahl, ob sie das zulassen wollen.

Die Kandidaten im Interview: hier

Fotos: WSZ (oben) / Screenshot HP Otto (unten)