Dienstag, 2. Juni 2020

Dubiose Geschäfte: Sparkassen Chemnitz und Zwickau in der Kritik

Westsachsen/Chemnitz/Zwickau.- Er spricht von illegalen Immobilien-Versteigerungen bei Gericht und von Strohmännern, die dort im Auftrag der Sparkasse Chemnitz Grundstücke und Gebäude ersteigern sollen. Diese Immobilien seien zuvor den rechtmäßigen Eigentümern gezielt durch inszenierte Gerichtsprozesse weggenommen worden. Enrico Werner (Foto) hat selbiges am eigenen Leib erlebt und geht noch weiter: „Mir fällt auf, dass in den mir vorliegenden Gerichtsakten mehrere Ungereimtheiten auftauchen. Das betrifft offensichtliche Manipulationen an diversen Unterschriften und Amtssiegeln.“
Wie aus der Überklebungsaffäre am Zwickauer Amtsgericht bereits bekannt, scheint auch in Chemnitz das Prinzip der Aktenmanipulation ein probates Mittel zur Generierung von Kapital für die Akteure zu sein. Dabei läuft es oft so ab: Über illegal eingeforderte Ablösesummen lässt sich die Sparkasse ins Grundbuch der betroffenen Kreditnehmer eintragen. Meistens geht es nicht um Peanuts sondern gleich um mehrere Tausend, wenn nicht sogar zig-Tausende Euro. Wird nicht umgehend gezahlt, kommt der Gerichtsvollzieher und danach die Zwangsversteigerung bei Gericht. Recherchen zufolge gibt es in Zwickau wie in Chemnitz regelmäßig Absprachen zwischen den beteiligten Juristen, den aufsichtsführenden Gremien der Sparkassen sowie deren Geschäftsführung. Immer zum Nachteil der eigenen Kunden und, wegen des gemeinschaftlichen Handelns im Schulterschluss mit der Justiz, auch zum Schaden der Allgemeinheit.
Im Fall Enrico Werner lief es so ab, dass die Sparkasse Chemnitz ihm von einem Tag auf den anderen mehrere Konten kündigte mit der Begründung, sie würden nicht mehr benötigt. Ein laufender Kontokorrentkredit über die Restsumme von 11.000 Euro wurde daraufhin sofort fällig gestellt, obwohl dieser immer pünktlich bedient wurde. Mit zusätzlichen Gebühren kam die Sparkasse dann auf rund 15.000 Euro, die sie auch gleich einklagte. Da Werner nicht sofort bezahlen konnte, kam seine Immobilie auf Geheiß eines Richters  „Dr. Reinhard“ unter den Hammer. Brisant: Diesen Richter namens Dr. Reinhard gibt es am zuständigen Landgericht nicht. Werner vermutet deshalb, dass dies ein erfundener Name sein muss, unter dem man solche dubiosen Geschäfte abwickeln kann.
In Zwickau läuft es ähnlich. Mit dem einen Unterschied, dass hier die Akteure tatsächlich existieren. Wie unsere Zeitung bereits mehrfach berichtete, ist das Zusammenwirken von Stadtverwaltung, Sparkasse und Justiz in dieser Stadt sehr auffällig. Von richterlicher Unabhängigkeit sind wir meilenweit entfernt, wenn zum Beispiel ein Gerichtspräsident Dirk Eberhard Kirst Gefälligkeitsurteile zugunsten der Sparkasse fällt und eine Oberbürgermeisterin Pia Findeiß als deren Verwaltungsratsvorsitzende einfach darüber hinweg sieht oder dies sogar billigt.
Betroffenen bleibt die Möglichkeit, sich mit ihrem Fall an die Verbraucherzentrale zu wenden und von dort auf Hilfe zu hoffen. Enrico Werner wird weiter für sein Recht kämpfen. Selbstverständlich ohne Anwalt, denn die sind „Teil des Problems und nicht die Lösung“, wie er sagt.