Montag, 8. Juni 2020

FDJ kapert den Georgenplatz: Viele Zwickauer sind entsetzt

Westsachsen/Zwickau.- Ein knapp 100 Personen starker Demonstrationszug läuft am späten Mittag des 6. Juni ein. Die Freie Deutsche Jugend rief im Rahmen ihrer Kampagne „30 Jahre sind genug! Revolution und Sozialismus“ zum „Arbeiterjugend Open-Air“. Die schnell bereitete Bühne vor dem recht mächtigen und jedem DDR´ler noch bekannten W50 ist eingenommen. Stahlfasstrommler eröffnen das Programm, nachdem eine 12jährige Aktivistin den spektakulär sich im Sturzflug befindenden und durch eine Hyäne - alias deutscher Imperialismus - bestiegenen Trabi mit einer FDJ-Fahne erklimmt und ihre Rede mit der Ankündigung enden lässt, „die Bestie“ zu schlagen. Zehn zum Spieß verwandelte Rote Fahnen kreisen die Szene ein. Das etwa 30 Mann starke FDJ-Ensemble aus Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen greift nun in die Vollen.
„Unsere Feinde sagen: Der Kampf ist zu Ende. Aber wir sagen: Er hat angefangen. Man ist nicht bescheiden, nein!“, heißt es von einer Aktivisten aus Dresden im Anschluss. Derweil schmückt die Bühne ein Zitat Che Guevaras: „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!“ Auch Fidel Castro wird zitiert, wie schon am Vortag vor dem Zwickauer Rathaus durch das breit verteilte Programmheft angekündigt wurde. „Der Mensch kann doch nicht so blöd sein, dass er nur unter dem Joch des Kapitalismus zu arbeiten imstande ist.“ „Doch, Genosse Fidel, und er kann noch viel blöder sein“, hieß es in einer Rede. Man habe sich mit der DDR schließlich von diesem Joch befreit, wollte aber zu wenig revolutionären Elan aufbringen, auch den Kopf davon zu befreien, nicht wieder zum alten Lohnbewusstsein zurückzukehren. „Jetzt haben wir den Salat!“, so ein Redner. „Aber wir lernen aus unseren Fehlern!“
Der ehemalige CDU-Stadtrat Karl-Ernst Müller ist entsetzt: „Weil wir nicht in die FDJ eintreten wollten, waren meine Geschwister und ich zu DDR-Zeiten in Größenordnungen benachteiligt. Wer diese SED-parteitreue Organisation so hochhält, hat beim Lesen der Geschichtsbücher irgendwie ein paar Kapitel ausgelassen“, sagte er und wünscht sich die Krawallmacher zurück nach Bayern, wo sie hergekommen sind. Auch einige Mitglieder anderer Parteien und Organisationen protestierten am Rande der Veranstaltung gegen den Aufzug der FDJ-Truppe.

Quelle: FDJ-Kampagnenbüro
Fotos: FDJ (oben) / FB K.-E. Müller (unten)